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Montag, 11. Mai 2009 um 00:00
 

Wiesbadener Kurier vom 11.05.2009

Profi-Kickern: Da hört der Spaß auf

11.05.2009 - NIEDERNHAUSEN

Von Sebastian Poser

HESSENMEISTERSCHAFT Tischfußballer aus dem In- und Ausland messen ihre Kräfte in Niedernhausen

Die Luft wabert. Betritt man den Raum, läuft man wie gegen eine Wand. Kein Wunder, bei rund 300 Leuten. Und doch, die Konzentration ist zu spüren, beinahe greifbar. Tischfußballer aus ganz Deutschland und sogar aus benachbarten Ländern wie Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden spielen um die offene hessische Meisterschaft, die mit Preisgeldern von insgesamt 5500Euro dotiert ist, 600 davon für das Sieger-Paar des Männer-Doppels. Ausgerichtet wird sie vom Wiesbadener Tischfußballverein Wildcard Wiesbaden, der in Zusammenarbeit mit der Kicker-Vereinigung Players 4 Players die Organisation der Wettbewerbe im Ramada Hotel Micador in Niedernhausen übernahm.

Ungestört von stickiger Luft oder hohem Lärmpegel - für die Spieler zählt nur eins: Das Runde muss ins Eckige. "Das hier", sagt Einzel-Weltmeisterin Katrin Matsushita, "ist kein Spaß mehr." Sondern bitterer Ernst. Und schaut man in die Gesichter der Akteure, erkennt man tatsächlich: Mit lustigem Tischkickern in Kneipen oder Kantinen hat dieses Turnier wenig zu tun. Vollste Konzentration und perfekte Technik sind gefragt. Enorm anstrengend.

Perfekte Technik

Auch bei Hubert Bader stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Der 26-Jährige, einer von 322 Teilnehmern am Kicker-Turnier, reiste vom Bodensee nach Niedernhausen, extra für die Meisterschaft. So, wie fast jedes zweite Wochenende, im Jahr zu 15 bis 25 Turnieren. Je nach Zeit. Und finanziell nötigem Aufwand. "Für ein Turnierwochenende gehen rund 300Euro drauf", verrät Bader. Schon allein das Startgeld beträgt acht bis 32Euro, je nach Disziplin. Der 26-Jährige ist im Männer- und im gemischten Doppel am Start, gemeinsam mit seiner Freundin. "Wie ein Sechser im Lotto für jeden Tischfußballer, wenn man mit seiner Lebenspartnerin spielen kann", weiß Bader. Sonst wäre der Aufwand, den die Kicker-Verrückten Woche für Woche vollführen, wohl kaum zu rechtfertigen. Und auch wenn das Zusammenspiel mit der Mixed-Partnerin und gleichzeitigen Freundin manchmal Schwierigkeiten mit sich bringt - einen großen Vorteil hat es: Trainiert wird immer und überall. "Egal, ob in der Disco oder auf irgendeinem Fest: Jeder Tischkicker, an dem wir vorbeikommen, wird bespielt." Bader selbst hat zwei Kurbelautomaten in seiner Wohnung. Einen sogenannten Tornado-Tisch, die amerikanische Variante, auf der wegen des schweren, glatten Balls sehr präzise gespielt werden muss, und einen "Lettner", der eigentliche Turnier-Tisch. Als Bader anfing, ernsthaft Tischfußball zu spielen, stand er täglich mehrere Stunden am Tisch, alleine, einfach um Ballbehandlung und Spielzüge zu perfektionieren. Ein bis zwei Jahre lang, bis die Hände, die in Handschuhen stecken, die Abläufe an den Stangen, mit Griffbändern umwickelt, quasi im Schlaf beherrschten. Ein durchaus zeitintensives Hobby. Doch Hobby ist eigentlich das falsche Wort. Es klingt nach Spaß. Und nicht nach bitterem Ernst.

 

Im Niedernhausener Ramada Hotel Micador traf sich am Wochenende erneut die Elite der Tischfußballer zur offenen Hessenmeisterschaft. Gespielt wurde bis weit in die Abendstunden an insgesamt 26 Tischen.wita/Mallmann

 

Aktualisiert ( Montag, 20. Juli 2009 um 10:33 )
 

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